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Freitag, 7. Dezember 2007

Musik: Timbaland - Shock Value

Immer, wenn eine verzerrte Stimme aus den Boxen wummert, Nelly Furtado im knappen Outfit über die Bildschirme flimmert oder Justin Timberlake die nächste Millionen auf sein Konto scheffelt – an all diesen Umstand trägt ein Mann die Hauptschuld: Timothy Z. Mosley. Viele von euch werden den Namen vielleicht noch nie gehört haben, doch als Produzent und Mann hinter diesen Künstlern hat sich Timbaland – so Mosleys Künstlername - schon längst einen Namen gemacht.

Mit Shock Value tritt Timbaland nun aus dem vermeintlichen Schatten seiner Schützlinge selber ins Rampenlicht. Und damit dies auch jeder bemerkt, hat er sich für sein Album tatkräftige Unterstützung einfliegen lassen. Die Liste der Mitwirkenden liest sich, neben den bereits erwähnten Justin Timberlake und Nelly Furtado, mit 50 Cent, Missy Elliott, Fallout Boy, The Hives und sogar Elton John wie das “Who is Who“ der aktuellen Musikcharts.

Die Tracks sind allesamt recht eingängig und kommen einem irgendwie bekannt vor. Das heißt zwar nicht, dass man ausnahmslos alles irgendwie schon einmal gehört hat, aber viele der 17 Tracks könnten auch direkt vom Album des mitwirkenden Künstlers stammen. Alles klingt vertraut und so wird man auch beim Hören der nächsten Timbaland-Single fragend in die Runde blicken, von welchem Künstler bzw. Album dieser Song nun stammen mag – möglich erscheint (beinahe) alles.

Dieser Umstand bedeutet natürlich nicht, dass die Qualität der einzelnen Songs unterdurchschnittlich ist. Das für uns beste Gegenbeispiel in Form der aktuellen Single Apologize, welche mit den Newcomern One Republic eingespielt wurde, klingt frisch, eingängig und geht direkt unter die Haut. Doch genau diese angenehme Frische fehlt vielen der mit Shock Value gelieferten Songs. Auch wenn Mosley als Künstlername besser “König Midas“ gewählt hätte, alles was er anfasst wurde der Legende nach zu Gold, das große Geld verdient er garantiert nicht durch innovative oder gewagte Ideen.


Autor: Michael Gelhard

Donnerstag, 22. November 2007

Musik: Afroman - Jobe Bells

2001 landete Joseph Foreman, besser bekannt als Afroman, mit seiner Single Because I got High einen internationalen Erfolg. Doch nach eben dieser Single, für dessen Video man damals sogar Jay und Silent Bob aus dem Blockbuster Dogma verpflichten konnte, hat man vom sympathischen Crackhead nicht mehr viel gehört. Dabei war Afroman in den letzten sechs Jahren alles andere als untätig und veröffentlichte nach dem Hitalbum The Good Times noch fünf weitere Alben. Auch dieses Jahr beglückte er uns mit Waiting to Inhale mit einem weiteren Album… doch wir gehen ein paar Jährchen zurück.

Zum ersten Mal wollen wir hier nämlich nicht über eine aktuelle CD berichten. Wobei, aktuell ist Jobe Bells dank der bald anbrechenden Weihnachtszeit definitiv. Bereits 2004 erschienen, bietet dieses Album jedes Jahr aufs Neue die perfekte Einstimmung auf das christlichste aller Feste. Die acht Tracks sind allesamt Cover-Versionen klassischer, amerikanischer Weihnachtssongs wie Jingle Bells (Jobe Bells), Silent Night (Violent Night) und O Christmas Tree (O Chronic Tree). Dabei wurde die Melodie weitestgehend unangetastet belassen, nur die Texte erwachen durch die Fro’sche Interpretation zu neuem Leben.

So wird aus Let it snow schnell ein Let her blow und anstelle des Wunsches nach einer frohen Weihnacht, wünscht sich unser Lieblingsafroamerikaner, dass der Zuhörer ihm den nächsten Joint rollt. Hier wird schnell klar, dass man tiefschürfende oder gar lyrische Texte vergeblich suchen würde. Doch der derbe Humor und die unglaubliche lockere Art und Weise, mit der diese altbekannten Songs „verunstaltet“ werden, lassen Jobe Bells jedes Jahr aufs Neue im CD-Player rotieren. Dies könnte auch der Grund sein, wieso dieses relativ kurze Album – zwei der 8 Tracks bieten jeweils nur rund 2 Minuten, zwei Weitere gar nur je eine Minute Laufzeit - bei Amazon nach wie vor für 16,99€ gehandelt wird.


Autor: Michael Gelhard

Sonntag, 11. November 2007

Musik: Chris Daughtry - Daughtry

Chris Daughtry war 2006 einer der Finalisten des amerikanischen DSDS-Pendants American Idol. Verheiratet und mit zwei Kindern bestra… gesegnet, passt das Image des „harten Rockers“ – zumindest auf dem Papier – nicht so recht zu diesem jungen Amerikaner. Doch seine Stimme, diese erinnert etwas an Nickelback´s Chad Kroeger, verschafft ihm einiges an Authentizität und verpasst ihm das gewisse Etwas!

Die Musik auf Daughtrys gleichnamigen Album erinnert vom Stil her stark an alte Hasen wie Pearl Jam, Creed und Nickelback. Howard Benson, der sich auch schon für My Chemical Romance und Papa Roach verantwortlich zeichnete, produzierte das Debutalbum und sorgt für einen eindrucksvollen Karrierestart. Chris Daughtry aus North Carolina ist zwar ein kraftvoller Sänger, doch weitaus mehr überrascht die Tatsache, dass zehn der 12 Songs auf dem Album tatsächlich aus seiner Feder stammen. Der Junge, der nebenbei auch noch Gitarrist ist, hätte DSDS vermutlich ohne Dieter Bohlen an seiner Seite verlassen - sympathisch.

Die hier vorliegende CD enthält puren amerikanischen Mainstream-Rock. Daher fehlt dem Hörer härterer Umgangstöne vermutlich eine wirkliche Überraschung, denn die rockigen Tracks wissen zwar durch die Bank weg zu überzeugen, bleiben aber alle recht brav. Wer Spaß an einer Mischung aus kommerziellem Rock/Pop mit teilweise harten Gitarren und einem erstklassigen Sänger hat, sollte hier aber trotzdem einmal reinhören. Daughtry zeigt eindrucksvoll, dass unser deutscher Rocker (Anm.: Tobias Regner) ohne die Fesseln eines Dieter Bohlens noch ganz anders gedurft (und vermutlich auch gekonnt) hätte.


Autor: Michael Gelhard

Freitag, 2. November 2007

Musik: Die Ärzte - Jazz ist anders

Mit Jazz ist anders liefert uns die beste Band der Welt ein ungewöhnliches Album. Dies fängt schon beim Design der CD an. Geliefert wird die Scheibe nämlich in einem Pizzakarton. Beim Öffnen wird man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können, denn man erspäht tatsächlich eine Pizza und eine Tomatenscheibe…

Musikalisch wird man dann auch etwas anders als gewohnt verarztet. Schon das letzte Linkin Park-Album Minutes to Midnight spaltete die Hörer in zwei Lager. Echte Fans mussten sich an das eher ruhige Album zwar erst gewöhnen, erkannten dann aber die musikalische Qualität die dahinter steckt. Alle anderen, die nur Anhänger des Musikstils, nicht aber der Band sind, können sich wohl bis heute nicht mit diesem Album anfreunden.

Bei Jazz ist anders könnte dies nun ähnlich sein, denn dieses Album ist weniger rockig als man es von den Ärzten gewohnt ist. Die 19 neuen Songs - inklusive der Bonus-EP - sind facettenreich und bieten stilistisch eine gehörige Portion Abwechslung. Gewohnt härtere Stücke, wie die erste Single „Junge“, wechseln sich mit komplexem Avantgarde-Rock, fast schon schnulzigen Balladen, fröhlichem Sonnenschein-Rock und sogar Funk ab.

Vor dem Kauf sollte man sich also die Frage stellen, ob man nun Fan der Band oder eher einzelner Stücke ist. All jene, die bisher nur auf „Immer mitten in die Fresse rein“, „Deine Schuld“ und aktuell „Junge“ standen, werden mit Jazz ist anders wohl nicht glücklich. Anhänger des Trios und Freunde des bandtypischen Humors werden aber sicherlich auf ihre Kosten kommen. Gerade die Texte sorgen für den ein oder anderen herzhaften Lacher.


Autor: Michael Gelhard